Das Wesen von Kirche wird echte Freiheit sein.

Novalis

Gemeindebrief

  • Gemeindebrief – Winter 2020 / 2021
    Liebe Gemeinde, Rudolf Steiner sprach vor über 100 Jahren etwas aus, was für die bestehenden Kirchen, für die Menschen damals geradezu eine Erschütterung ausgelöst haben muss. Das alte Gottesbild vermittelte dem Gläubigen, dass der Vater „oben“ im Himmel wohnt, der Teufel „unten“ in der Hölle. Der Gläubige hatte sich nun zum Vater oben im Himmel zu erheben, sich geradezu dem Vater wie entgegen zu strecken, und so sündenfrei wie möglich sein Leben zu führen, es rein zu halten, um sich so dem Teufel, unten in der Hölle, soweit es nur eben geht, zu entwinden, sich ihm fern zu halten. Eine ungeheure Spannung liegt in diesem Bild, das auch zeigt, in welch große Not der Gläubige dadurch gebracht wurde. Denn ohne Sünde, ohne Absonderung, ohne Fehler können wir Menschen nun einmal nicht leben. Nun wird ein ganz neues Bild vor unsere Seelen gestellt. Ein Bild, das uns bis heute beschäftigen kann. Rudolf Steiner spricht davon, dass der Mensch zwischen zwei Widersachermächten steht – der Mensch selbst in der Mitte. Die eine Macht will ihn von der einen Seite her dazu verlocken, erdenflüchtig zu werden, sich loszulösen von der Erde, sich nicht so ganz mit ihr zu verbinden. Die andere Macht möchte den Menschen tief in die Erdenverhältnisse hineinverstricken, ihn an die Erde binden, so dass er ganz „Materialist“ wird, den Himmel vergisst, schließlich verleugnet. In unserer Weihnachtsepistel tauchen Worte auf, die diese beiden Mächte so beschreiben: Wir Menschen leben in der ständigen Gefahr, einseitig zu werden. Wir brauchen eine Kraft, die uns löst von „trügendem Scheinlicht…von würdeloser Sinnensucht“. […]